Er kommt schon noch, der Frühling

“Geduld ist eine Tugend”, pflegte meine Mutter immer zu sagen und eines muss man ihr lassen, sie war sehr geduldig. Anfang Mai zog sie los in Richtung Gärtnerei, holte all ihre Pflanzen welche sie so für den Gemüsegarten brauchte und pflanzte sie pünktlich nach den Eisheiligen in den Garten. Bis zu diesem Zeitpunkt hielt sie sich völlig bedeckt und hatte einfach jede Menge Geduld im Garten. Kein stapeln von Gartenlektüre im Januar. Nein, auch kein nervöses am Fenster auf und ab laufen, um im Geiste das Beet zu bestücken. Kein mit dem Zollstock auf dem zugefrorenen Boden herum hopsen, im Versuchen mit Pflöcken die neuen Beete zu markieren. Nein meine Mutter hatte im Januar noch keine Tomatenpflanzen auf der Fensterbank und ich sah sie auch niemals die Samentüten alphabetisch sortieren und durch unzählige Keimprobe zwar die Hälfte der Samen zu verstreuen, sich aber sicher zu sein “die sind noch gut”!

Vielleicht ist weniger doch mehr?

Sie verbrachte auch nicht den gesamten Januar damit aufzuzeichnen welche Gemüsesorten systematisch nebeneinander wachsen werden und verwarf diesen Plan mindestens 4 Mal, um einen neuen zu erstellen. Sie ging im Mai in den Garten und verstreute ihre Samen wie Hühnerfutter. Dabei erntete sie Jahr für Jahr jede Menge gesundes Gemüse und ich frage mich bis heute, hatte sie einfach Glück oder hatte das ganze vielleicht sogar System? Vielleicht ist weniger doch mehr?

Nun gut ich bin da vollkommen anders. Schon als Kind wäre ich am liebsten im Februar mit dem Fön nach draußen gegangen, um die letzte Schneeschicht zu schmelzen, damit die Schneeglöckchen nun endlich raus kommen und es Frühling wird. Ja der Februar, mein persönlicher Hassmonat. Dem Frühling so nah und doch so schneereich und kalt. Und so begann meine Gartensaison, wie fast jedes Jahr, auch dieses Jahr wieder im Januar. Natürlich war ich geduldig, immerhin durften die Tomatensamen dieses Jahr bis Ende Januar in der Tüten bleiben. Es gab wahrlich schon Jahre, da ließ ich sie schon früher frei. Bis jetzt stehen nur die Chilis, die Tomaten von Ende Januar, die Pelargonien und ganz frisch die Petunien auf der Fensterbank. Nein, kein Salat, Kohl oder ähnliches, was im 20°C Wohnzimmer ohnehin kaum Chancen hätte.

Wie klappt das so mit der Geduld im Garten?

Im Februar hab ich mich in Geduld geübt “der Monat ist kurz und der März ist nicht mehr weit” hab ich mir fast mantraartig gesagt. Und ein wenig scheint es zu funktionieren. Immerhin hab ich keine Löcher mit der HILTI in den Boden gebohrt, um die Puffbohnen zu versenken. Aber irgend etwas in mir läßt mich bei März immer an Frühling denken und dann fange ich an kribbelig zu werden. Selbst in Nächten wie dieser mit stolzen -11°C überkommt mich dieses Gefühl von Torschlusspanik, welches mich dazu treibt unpassende Dinge zu veranstalten. Wie zum Beispiel der Komposthaufen, dem ich vor 2 Wochen die schützende Hüllen des Schnellkomposters entrissen habe, um ihn im Garten zu verteilen. Dieser steht immer noch als tiefgefrorener quadratischer Block im Garten. Tja, wie war das mit der Geduld? Vielleicht geh ich nochmal und zeichne mir einen neuen, fünften Gartenplan für diese Saison.

In diesem Sinne ein herzliches ooooohm, er kommt schon noch der Frühling!

3 thoughts on “Er kommt schon noch, der Frühling

  1. Dieser Beitrag ist einfach nur genial! Ich musste so schmunzeln und habe mich so sehr wiedererkannt … aber wohl eher wie du als ungeduldige Gärtnerin. Wobei mit Hilti und Fön hat man mich auch noch nicht im Garten gesehen. Wäre ja vielleicht mal was Neues.
    Ich wünsche dir noch viel Geduld und auf einen baldigen Frühling!
    Liebe Grüße, Sandra

    1. Hallo Sandra,
      ja wir sind wohl alle verkorkste Gartenhonks. 😂 Tatsächlich habe ich schon mit der HILTI im Garten gestanden, wir haben hier seeeehr harten Boden und ich brauchte ein tiefes Loch. Evtl. starte ich mal eine Umfrage, was die Nachbar so über mich denken, könnte lustig werden.

      Viele liebe Grüße zurück und ich sende dir einen dicken Geduldsfaden!

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